Afghanische Sicherheitskräfte

 

In Afghanistan gibt es einen fließenden Übergang zwischen Polizei und Militär. Daher wird in den meisten Fällen einfach von „Sicherheitskräften“ gesprochen. Hierbei sollte ein Aspekt hervorgehoben werden:

Bei dem Begriff „afghanischen Sicherheitskräften“ wird typischerweise von Kräften der Regierung ausgegangen. Allerdings bedeutet dies nicht, dass es in Regionen unter Kontrolle der Taliban keine Ordnungskräfte gibt. Es kann durchaus sein, dass entlegene Dörfer ihre eigene „Dorfpolizei“ stellen oder die Taliban „Sicherheitskräfte“ eingesetzt haben. Hierbei handelt es sich dann meist um von den Taliban bezahlte Milizionäre, die in bestimmten Regionen für Ordnung sorgen sollen. Für gewöhnlich gilt hier das Recht der Scharia.

 

Bei den eigentlichen Afghanischen Sicherheitskräften handelt es sich meistens um unterbezahlte Soldaten der Afghanischen Armee, die gleichzeitig auch Polizeiaufgaben übernehmen. Entsprechend ihres Gehaltes ist ihre Kampfmoral eher niedrig. Auch muss berücksichtigt werden, dass Afghanistan in den vergangen 30 Jahren viele „Herrscher“ gesehen hat und die Afghanen gelernt haben, sich erst um sich selbst und dann um ihre Regierung zu kümmern.

 

Es muss also davon ausgegangen werden, dass ein afghanischer Polizist erst an seine Familie und sich selbst denken wird und anschließend an seinen Brötchengeber. Dies führt zu einem extrem hohen Grad an Bestechlichkeit und Korruption. Es ist sogar möglich, dass ein Mitglied der Sicherheitskräfte gleichzeitig für das Militär, die NATO und die Taliban arbeitet. Ein denkbares Szenario wäre, dass eine IED gefunden wird und das afghanische Militär zuerst eintrifft. Es kann durchaus vorkommen, dass die Soldaten die IED bergen und den Taliban übergeben, welche sie dann neu platzieren. Dies ist möglich, da die Soldaten sich vor dem Bergen mit den Taliban absprechen und diese dann die IED nicht fernzünden. So entsteht eine Win-Win Situation: Der Soldat wird nicht gesprengt und die Taliban können ihre Bombe erneut einsetzen.

 

Am Ende muss man immer im Hinterkopf behalten: Ein afghanischer Soldat will einfach nur durch den Tag kommen und ein paar Groschen Sold mit nach Hause bringen. Der Staat ist ihm meistens egal.